Das Gebäudealter: Entscheidende Basiskennziffer für Immobilien- und Energiewirtschaft.

Bonn, 05. Mai 2026. Das Gebäudealter ist ein amtliches Datum, was bundesweit für jede Adresse verfügbar ist. So könnte man meinen. Fließt die Kennziffer doch beispielsweise in Immobilienbewertungen, kommunale Wärmeplanungen oder Zielgruppenanalysen mit ein. Doch weit gefehlt! Das data analytics institute (dai) hat deshalb nun im Zuge des Projekts „Zensusdaten disaggregiert“ erstmals die amtliche Altersklasse für jedes der 19,4 Mio. Wohngebäude in Deutschland mit Hilfe mehrerer Referenzdatenbanken und einem neuen maschinellen Verfahren entwickelt.


 

Gebäudealter nach Altersklassen im Zensus 2022


Der Zensus 2022 weist die Altersstruktur des Gebäudebestands in Deutschland anhand von neun Baujahrklassen aus: vor 1919 (13,1%), 1919 – 1949 (11,8%), 1950 – 1959 (10,3%), 1960 – 1969 (13,1%), 1970 – 1979 (13%), 1980 – 1989 (10,1%), 1990 – 1999 (12,2%), 2000 – 2009 (8,9%), 2010 – 2015 (3,8%) sowie 2016 und später (3,8%).

Die Zensusergebnisse von 2022 zeigen, dass der Großteil der Gebäude aus der Nachkriegszeit stammt. Besonders die Klassen 1960–1979 stellen mit über einem Viertel die größte Bauphase dar. Dieser Gebäudebestand ist so groß wie alle Gebäude aus der Zeit vor 1950 zusammen. Neuere Gebäude ab 2000 machen insgesamt dagegen nur 16,6% aus.

Die Auswertung basiert auf Registerdaten und Befragungen. Sie zeigt, dass der Gebäudebestand in Deutschland insgesamt relativ alt ist, was insbesondere für Energieeffizienz und Sanierungsbedarf von großer Bedeutung ist.


Gebäudealter für jede Wohndresse


Das data analytics institute (dai) verfügt über mehrere Gebäudedatenbanken unterschiedlicher Privatanbieter aus den Bereichen Marketing, Logistik, Telekominfrastruktur sowie der Immobilienbrache. In Verbindung mit den Gebäudebasisdaten (TWIN Germany) und den Zensusdaten ermittelt das dai für jede der rund 20 Mio. Gebäude wohnlicher Nutzung eine Gebäudealtersklasse. Neubauten ab 2016 können auf Wunsch sogar jährlich ausgewiesen werden.

Im Ergebnis kann so beispielsweise für das Gebäude in der Rheinallee 40 (siehe Foto & Google Maps) in Bonn die Gebäudealtersklasse „vor 1919“ eindeutig bestimmt werden – wie auch für die Nachbargebäude. Aggregiert im Siedlungsblock ergibt sich so ein Bebauungsblock der Gründerzeit.


Das Gebäudealter als entscheidendes Datum in der Energiewende


Das Gebäudealter spielt eine zentrale Rolle für die kommunale Wärmeplanung und den Energiebedarf, da es eng mit dem energetischen Zustand eines Gebäudes verknüpft ist. Ältere Gebäude, insbesondere aus der Zeit vor den ersten Wärmeschutzverordnungen (vor etwa 1977), weisen häufig eine schlechte Dämmung, veraltete Heizsysteme und hohe Wärmeverluste auf. Dadurch ist ihr Energiebedarf deutlich höher als bei neueren Gebäuden.

Durch die Analyse der Baujahrklassen können Kommunen abschätzen, wo besonders hoher Sanierungsbedarf besteht und welche Gebiete sich für Maßnahmen wie energetische Modernisierung oder den Ausbau von Wärmenetzen eignen. Neubauten hingegen sind meist energieeffizienter und benötigen weniger Heizenergie, wodurch sie andere Anforderungen an die Wärmeversorgung stellen.

Das Gebäudealter ist ein entscheidender Faktor für die Bewertung des Energiebedarfs und eine zentrale Grundlage der kommunalen Wärmeplanung. Es ermöglicht Rückschlüsse auf Dämmstandard, Heiztechnik und Sanierungsbedarf und hilft dabei, Maßnahmen gezielt zu planen. Ohne diese Information wäre eine effiziente und nachhaltige Planung deutlich schwieriger.

Ist das Gebäudealter jedoch zu ungenau oder falsch erfasst, kann dies zu fehlerhaften Einschätzungen führen. Der Energiebedarf wird dann systematisch über- oder unterschätzt oder abgeleitete Kennziffern wie beispielsweise anstehende Investitionskosten oder notwendige Sanierungskosten falsch berechnet.

Daher gilt: Je genauer die Daten zum Gebäudealter sind, desto zuverlässiger sind Analysen und Planungen im Bereich Energie und Wärmeversorgung.


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Sascha Jablonski

Email: sascha.jablonski@dai.institute

Phone: +49 228 6196863 – 12

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