Welcher Energieträger kommt in welchem Gebäude vor – Gas, Öl, Fernwärme oder Wärmepumpe? Das Bonner Dateninstitut (dai) verbindet die Energieträgerdaten des Zensus 2022 mit dem aktuellen 3D-Gebäudebestand. Jahresgenaue Neubauinformationen ab 2016, Gebäudetypen und regionale Statistiken ermöglichen eine differenzierte Zuordnung auf Adressebene. Allein von 2022 bis Ende 2026 entstehen in Deutschland schätzungsweise fast 400.000 neue Wohngebäude. Ihre Wärmeversorgung unterscheidet sich deutlich vom älteren Bestand.
Bonn, 21. Oktober 2026. Wie heizt ein bestimmtes Gebäude? Was verändert sich durch Neubauten, und wie lassen sich statistische Informationen einer einzelnen Adresse zuordnen? Diese Fragen sind für Energieversorger, Netzbetreiber und die kommunale Wärmeplanung genauso relevant wie für bau- und energierelevante Marketingaktivitäten gleichermaßen relevant. Der Zensus 2022 liefert dafür eine bundesweite Ausgangsbasis. Für adressbezogene Analysen müssen seine Ergebnisse jedoch räumlich differenziert und auf den aktuellen Gebäudebestand fortgeschrieben werden.
Zensus 2022: Energieträger vom Gitter auf die Adresse übertragen
Zum Zensusstichtag am 15. Mai 2022 wurden knapp vier von fünf Gebäuden mit Wohnraum überwiegend mit Gas oder Öl beheizt. Auf Gebäudeebene ergibt sich folgende Verteilung:
| Energieträger | Anteil 2022 |
|---|---|
| Gas | 53,9 % |
| Öl | 24,7 % |
| Fernwärme | 6,6 % |
| Strom ohne Wärmepumpen | 3,4 % |
| Solar-/Geothermie, Wärmepumpen | 4,2 % |
| Sonstige: Kohle, Holz, Biomasse/-gas | 6,3 % |
| Kein Energieträger / keine Heizung | 0,9 % |
Quelle: Zensus 2022; Gebäude mit Wohnraum, zusammengefasst in die dai-Energieträgergruppen.
Die kleinräumigen Ergebnisse zeigen die Energieträgerverteilung in 100 × 100 Meter großen Rasterzellen. Welche einzelne Adresse mit welchem Energieträger beheizt wird, lässt sich daraus zunächst nicht unmittelbar ablesen. Das dai hat diese Informationen deshalb auf die Adresse disaggregiert und mit dem 3D-Gebäudebestand verknüpft.
Grundlage dafür sind u.a. die Nutzung (Wohnen/Nicht-Wohnen), der Typ (hochdifferenziert), das Alter (in Klassen und ab 2016 p.a.) sowie das Volumen des Gebäudes. Des Weiteren fließen die Anzahl der Wohneinheiten, Haushalte und die (infrastrukturelle) Lage des Gebäudes ein.

Beispiel Am Büchel in Bonn: In der betrachteten Rasterzelle liegen die beiden Gebäude Am Büchel 82 und Am Büchel 57. Die Zelle weist zu 100 % die Kategorie „Solar-/Geothermie, Wärmepumpen“ aus. Anhand des Gebäudetyps wird Am Büchel 82 jedoch der Gebäudegruppe in der benachbarten Rasterzelle mit 100 % Gas zugeordnet. Damit verbleibt für die Zuordnung zu „Solar-/Geothermie, Wärmepumpen“ eindeutig die Adresse Am Büchel 57, 53173 Bonn.
Energieträger im Bestand: Ältere Neubauten zwischen 2016 und 2021
Zwischen 2016 und 2021 wurden in Deutschland 651.583 neue Wohngebäude fertiggestellt. Diese Gebäudejahrgänge gehörten zum Zensusstichtag bereits zum Bestand.
Da das dai Neubauten seit 2016 jährlich auf Adressebene pflegt, lassen sich diese Jahrgänge innerhalb des Zensusbestands gezielt identifizieren. Grundlage sind die jahresgenauen Baujahre je Gebäude: Jeder Neubaujahrgang wird einzeln berücksichtigt.
In Kombination mit dem Gebäudetyp – etwa freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern oder Mehrfamilienhäusern – und der Regionalität entstehen differenzierte Wahrscheinlichkeiten für die Energieträger. Ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 2021 erhält damit andere Ausgangswahrscheinlichkeiten als ein deutlich älteres Nachbargebäude. Die Energieträgerverteilung der Rasterzelle bildet den statistischen Rahmen für die Zuordnung.
Energieträger je Adresse: Neubauten seit dem Zensus 2022 ergänzen
Für Gebäude, die nach dem Zensusstichtag entstanden sind, fehlen entsprechende Angaben im Zensusbestand. Das dai ergänzt diese Neubauten jährlich im aktuellen 3D-Gebäudebestand und modelliert ihre Energieträger anhand von Neubaujahrgang, Gebäudetyp und Regionalität.
Wie wichtig diese Differenzierung ist, zeigt das BDEW-Trendbarometer: Der Wärmepumpenanteil bei neuen Wohngebäuden stieg von 57,0 % im Jahr 2022 auf 73,6 % im Jahr 2025. Bei neuen Ein- und Zweifamilienhäusern erreichte er zuletzt 78,0 %, bei Mehrfamilienhäusern 52,7 %.
Von 2022 bis 2025 wurden rund 335.000 neue Wohngebäude fertiggestellt. Einschließlich der dai-Schätzung für das Gesamtjahr 2026 steigt diese Zahl auf fast 400.000. Bei der Ergänzung gegenüber dem Zensus werden die bereits am Stichtag erfassten Gebäude berücksichtigt, um Doppelzählungen zu vermeiden.
Nach Auswertungen des dai erreicht die Kombination aus jahresgenauem Baujahr ab 2016, Gebäudetyp und Regionalität bei der Zuordnung zu Gas, Fernwärme oder Wärmepumpe eine Trefferquote von rund 95 %. Das Ergebnis bleibt eine modellierte Einschätzung auf Adressebene.
Energieversorger können damit regionale Marktpotenziale untersuchen, Netzbetreiber die Entwicklung der Wärmeversorgung analysieren und Kommunen ihre Wärmeplanung um aktuelle Gebäudeinformationen ergänzen.
Aber auch für Marketingaktivitäten rund um bau-, einrichtungs- oder energierelevanten Fragestellungen können die über 1 Million Adressen von Gebäuden seit 2016 mit dem entsprechenden Energieträger hochrelevant sein.
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Fotoquelle Titelbild Pressefotos | BWP | waermepumpe.de
