Quartierstypen im Osten: So wohnen die Sachsen-Anhalter

Ganz Deutschland schaut auf Sachsen-Anhalt. Wie wird dort am Sonntag gewählt? Das Dateninstitut dai weiß schon heute adressgenau, wie die Sachsen-Anhalter wohnen – Gebäude für Gebäude. Davon gibt es genau 627.645 im Land. Allein fast jeder dritte Haushalt lebt hier in Reihenhäusern oder den charakteristischen Zeilenbauten.

Bonn, 3. September 2026. Die Sachsen-Anhalter wohnen je nach Quartierstyp höchst unterschiedlich. Während in ländlich geprägten Regionen Ein- und Zweifamilienhäuser das Bild bestimmen, prägen in den Städten Reihenhäuser, Gebäudeblöcke, Zeilenbauten und Hochhäuser ganze Quartiere. Das data analytics institute (dai) kann diese Unterschiede erstmals adress- und gebäudegenau sichtbar machen und zeigen, wie sich Wohnformen selbst innerhalb einer Stadt von Quartier zu Quartier verändern. So gibt es in Sachsen-Anhalt insgesamt 31.755 Zeilenbauten, davon allein 3.227 in Halle (Saale). Am Beispiel Halle wird deutlich, wie vielfältig die Wohnwelten Sachsen-Anhalts auf kleinstem Raum sind. Wie in diesen unterschiedlichen Quartieren am Sonntag gewählt wird, werden die Wahlergebnisse zeigen.



Quartierstypen in Sachsen-Anhalt


Sachsen-Anhalt weist sehr unterschiedliche Quartierstypen auf. Grundlage ihrer Abgrenzung ist die hochdifferenzierte Gebäudetypologie des dai: Werden die einzelnen Gebäude innerhalb kleinräumiger Siedlungsblöcke zusammen betrachtet, lässt sich die jeweils prägende Bebauungsstruktur bestimmen – vom Ein- und Zweifamilienhausquartier über Reihenhaus- und Zeilenbaustrukturen bis zu verdichteten Block- und Hochhausquartieren.


Landesweit leben 32,7 Prozent der Haushalte in Einzelgebäuden, 14,8 Prozent in Doppelhäusern und 15,5 Prozent in Reihenhäusern oder Gebäuden in Reihe. 18,5 Prozent leben in Zeilenbauten, 15,8 Prozent in Gebäudeblöcken oder Gebäudeverbünden und 2,4 Prozent in Hochhäusern. Die Verteilung zeigt, welche Bebauungsstrukturen die Quartiere Sachsen-Anhalts prägen und wie unterschiedlich ihre Bedeutung für die Bevölkerung ist.
Dabei gilt vereinfacht: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Unterschiedliche Quartierstypen bieten unterschiedliche Wohnungen, Wohnungsgrößen, Eigentumsformen und Preislagen – und werden deshalb häufig auch von unterschiedlichen Haushaltsgruppen bewohnt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die bauliche Struktur von Quartieren mit ihrer demografischen und sozioökonomischen Zusammensetzung zusammenhängt. Ein Quartierstyp beschreibt deshalb zunächst die Bebauungsstruktur, kann aber zugleich wichtige Hinweise darauf geben, wer dort lebt.

An der Vogelweide in Halle (Saale), Quelle: Google Maps

Quartierstypen unter der Lupe: Halle (Saale)


Wie stark sich diese Strukturen innerhalb Sachsen-Anhalts unterscheiden, zeigt Halle (Saale). Nur 5,8 Prozent der Hallenser Haushalte leben in einem freistehenden Ein- oder Zweifamilienhaus – landesweit sind es 23,9 Prozent. Nimmt man Doppel- und Reihenhäuser hinzu, entfallen in Halle lediglich 12,7 Prozent der Haushalte auf die drei Ein-/Zweifamilienhaustypen, gegenüber 41,9 Prozent in Sachsen-Anhalt insgesamt.

Dafür dominieren in Halle deutlich verdichtetere Strukturen. 36,6 Prozent der Haushalte leben in Gebäudeblöcken oder Gebäudeverbünden – mehr als doppelt so viele wie im Landesdurchschnitt von 15,8 Prozent. Weitere 20,6 Prozent leben in Zeilenbauten, 12,9 Prozent in Mehrfamilienhäusern in Reihe und 7,8 Prozent in Hochhäusern. Gerade Hochhäuser haben damit in Halle einen mehr als dreimal so hohen Anteil wie landesweit. Die feinere Typologie macht damit einen grundlegenden Unterschied sichtbar: Während Sachsen-Anhalt insgesamt stark vom Ein- und Zweifamilienhaus geprägt ist, dominieren in Halle Mehrfamilienhaus- und verdichtete Quartierstypen.


Verteilung der Haushalte nach Gebäudetyp
GebäudetypSachsen-AnhaltHalle (Saale)Abweichung in %-Pkt.
EFH freistehend23,9 %5,8 %−18,1
MFH freistehend8,8 %5,8 %−3,0
EFH Doppelhaus11,1 %3,6 %−7,5
MFH Doppelhaus3,7 %3,6 %−0,1
EFH Reihenhaus/Gebäude in Reihe6,9 %3,3 %−3,6
MFH Reihenhaus/Gebäude in Reihe8,6 %12,9 %+4,3
Zeilenbau18,5 %20,6 %+2,1
Gebäudeblock/Gebäudeverbund15,8 %36,6 %+20,8
Hochhaus2,4 %7,8 %+5,4
Sonderform0,2 %0,1 %−0,1
Insgesamt100,0 %100,0 %

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Doch auch Halle ist nicht gleich Halle. Erst auf Ebene der einzelnen Siedlungsblöcke wird sichtbar, wo sich diese unterschiedlichen Quartierstypen konzentrieren und wie scharf sie sich teilweise voneinander abgrenzen. Damit entsteht die Grundlage, anschließend zu untersuchen, wer in diesen unterschiedlichen Quartieren lebt – und wie dort am Sonntag gewählt wird.


Die Datenbasis: Adressgenaue Gebäudetypologie mit Haushalten in Deutschland


Grundlage der Analyse ist die adressgenaue Gebäudetypologie Deutschlands des data analytics institute. Sie klassifiziert Wohngebäude hochdifferenziert nach Gebäudetyp, Bebauungsform und Zahl der Wohneinheiten und verortet sie adressgenau. Verdichtet auf kleinräumige Siedlungsblöcke entsteht daraus eine bundesweit einheitliche Grundlage, um bauliche Quartierstypen zu bestimmen – so, wie hier für Sachsen-Anhalt und Halle (Saale) gezeigt.

Die Bebauungsstruktur ist dabei erst der Anfang. Über den gemeinsamen Raumbezug lassen sich die Quartierstypen mit weiteren Daten anreichern: etwa zu Haushaltsstrukturen, Altersgruppen und Demografie, Kaufkraft und Einkommen, Immobilien- und Bodenwerten, Wohnflächen, Eigentumsstrukturen oder weiteren sozioökonomischen Merkmalen. Aus einem zunächst rein baulich definierten Quartierstyp entsteht so ein differenziertes Bild darüber, wer in diesen Quartieren lebt und welche sozioökonomischen Strukturen sie prägen.

Damit lässt sich die These „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ empirisch überprüfen: Welche sozioökonomischen Merkmale treten besonders häufig in welchen baulichen Quartierstypen auf? Die Methode ist nicht auf Halle oder Sachsen-Anhalt beschränkt. Sie lässt sich für jede Stadt und Gemeinde flächendeckend für ganz Deutschland anwenden – als kleinräumige Datenbasis für Stadt- und Regionalplanung, Markt- und Standortanalysen, Infrastrukturplanung und sozialräumliche Analysen. Verfügbar sind die Daten übrigens auf Knopfdruck über den Geo Data Space Germany.


Das data analytics institute (dai) unterstützt in der Beratung und im Aufbau datenbasierter Geschäftsmodelle für Public & Value Data, fragen Sie uns!


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